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Häufige Fragen rund um Schwierigkeiten in Mathe und Dyskalkulie

Auf dieser Seite findet ihr keine trockenen Definitionen, sondern Antworten aus der Praxis auf Fragen, die viele Eltern nachts im Bett wirklich beschäftigen.

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Hat mein Kind einfach nur Matheprobleme, oder steckt mehr dahinter?

Die gute Nachricht zuerst: Nicht jedes Kind, das Mathe doof findet, hat gleich eine Dyskalkulie. Sonst müsste man vermutlich die Hälfte aller deutschen Schulkinder diagnostizieren – und einige Erwachsene gleich mit. Normale Matheprobleme gehören tatsächlich zum Schulalltag dazu. Manchmal will die Division einfach nicht ins Gehirn einziehen, obwohl Plus, Minus und das kleine Einmaleins ganz ordentlich funktionieren. In solchen Fällen helfen oft etwas Übung, Geduld und die Erkenntnis, dass Arbeitsblätter in Familien ungefähr so beliebt sind wie Brokkoli auf Kindergeburtstagen. Anders sieht es aus, wenn eine echte Rechenschwäche oder Dyskalkulie vorliegt. Hier fehlt häufig ein stabiles Verständnis dafür, was Zahlen und Mengen eigentlich miteinander zu tun haben. Viele Kinder können das erstaunlich lange verstecken. Sie zählen heimlich weiter, wo andere Kinder längst rechnen, oder lernen Aufgaben einfach auswendig. Das funktioniert oft eine ganze Weile recht gut. Irgendwann kommt allerdings der Moment, an dem das Kartenhaus ins Wanken gerät. Häufig passiert das beim Rechnen über den Hunderter oder wenn die Aufgaben komplexer werden. Plötzlich scheint gar nichts mehr zu funktionieren – obwohl die eigentlichen Schwierigkeiten oft schon viele Jahre vorher entstanden sind. Wenn du unsicher bist, kannst du eine kleine Beobachtungsaufgabe ausprobieren. Sie ersetzt keine Diagnostik, liefert aber oft interessante Hinweise. Frage: An einer Straße stehen 20 Bäume (für Erstklässler) beziehungsweise 100 Bäume (ab Mitte Klasse 2). Der 3. und der 12. Baum beziehungsweise der 30. und der 42. Baum werden gefällt. Wie viele Bäume bleiben übrig? Spannend ist dabei nicht, wie schnell dein Kind antwortet, sondern wie es zur Lösung kommt. Kinder mit normalen Matheproblemen kommen meist recht sicher auf 18 beziehungsweise 98 Bäume. Kinder mit tieferliegenden Schwierigkeiten beginnen dagegen häufig zu zählen, verlieren unterwegs den Überblick oder kommen zu Antworten, bei denen man merkt, dass Zahlen und Mengen innerlich noch nicht richtig zusammengefunden haben. Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass eine Dyskalkulie vorliegt. Es kann aber ein Hinweis sein, genauer hinzuschauen – besonders dann, wenn Hausaufgaben regelmäßig in diplomatische Krisen ausarten, Rechnen unglaublich viel Kraft kostet oder trotz fleißigen Übens kaum Fortschritte sichtbar werden. Denn manchmal liegt das Problem nicht darin, dass ein Kind zu wenig geübt hat. Manchmal fehlt einfach ein Fundament, auf dem das Üben überhaupt aufbauen kann.

Weiterführende Informationen zu Dyskalkulie und Mathe-Problemen auf unseren Fachseiten.

Mein Kind kann rechnen - warum sind seine Noten trotzdem schlecht?

ein kurzer Comic-Stripe, der zegt, welche Ursachen hinter schlechten Mathenoten liegen können.

Das ist eine dieser Fragen, die Eltern besonders ratlos machen. Zuhause klappt es manchmal erstaunlich gut: Das Kind rechnet Aufgaben richtig, erklärt die einzelnen Schritte oder sagt völlig zurecht: „Das kann ich.“ Und dann kommt die Klassenarbeit zurück – und die Note passt überhaupt nicht zu dem, was man am Küchentisch gesehen hat. Die gute Nachricht vorweg: Niemand hat sich getäuscht. Ihr Kind kann höchstwahrscheinlich rechnen. Es kann sein Wissen unter den speziellen Bedingungen einer Klassenarbeit nur noch nicht zuverlässig abrufen. Denn in einer Klassenarbeit wird nicht nur gerechnet. Dort treffen Mathematik, Zeitdruck, Konzentration, Selbstvertrauen und manchmal auch eine gehörige Portion Nervosität aufeinander. In einer Arbeit geht es nämlich um viel mehr als Mathematik: Die Aufgabe muss unter Zeitdruck gelesen und verstanden werden, wichtige Infos müssen gefiltert, Rechenschritte geplant und Zahlen sauber übertragen werden. Und das alles, während das Herz ein bisschen schneller klopft. Das ist Multitasking auf hohem Niveau. Ein ganz besonderer Stolperstein liegt aber oft in den Aufgaben selbst. Es gibt von den Kultusministerien die wunderbare und absolut richtige Vorgabe, dass Matheaufgaben „aus der Lebenswelt der Kinder“ stammen sollen. Das ist ein toller Ansatz! Nur leider geht die Schere zwischen Theorie und Praxis in den Schulbüchern manchmal mehr oder weniger charmant weit auseinander. Da entstehen dann skurrile Textaufgaben, die krampfhaft versuchen, alltagsnah zu sein, aber nach Problemen suchen, die im echten Leben einfach niemand hat: Der mysteriöse Großeinkauf: Lukas kauft im Supermarkt 35 Avocados und 12 Wassermelonen. Welches Kind und welcher Erwachsene tut das freiwillig? Und warum soll nun berechnet werden, wie schwer sein Rucksack ist, statt Lukas einfach einen Einkaufswagen zu empfehlen? Das logistische Rätsel: Ein Bus fährt mit 24 Personen los, an Haltestelle A steigen 6 aus, an Haltestelle B steigen 9 ein. Im echten Leben schaut man kurz in die Fahrplan-App – im Mathebuch wird daraus ein detektivischer Akt. Die Badezimmer-Panne: Eine Badewanne wird befüllt, während gleichzeitig der Abfluss offen steht. Jedes Kind weiß intuitiv: Da hilft kein Taschenrechner, da hilft nur, den Stöpsel reinzudrücken. Kinder und Jugendliche haben sehr feine Antennen. Sie merken sofort, wenn eine Aufgabe nur so tut, als hätte sie etwas mit ihrer Realität zu tun. Wenn Mathematik nur noch als eine Sammlung starrer Regeln für die seltsamen Hobbys fiktiver Lehrbuch-Kinder erlebt wird, geht der Sinn verloren. Und ohne Sinn verabschieden sich manche Kinder innerlich aus dem Fach – obwohl sie eigentlich mathematisch denken könnten. Deshalb lohnt sich statt Panik ein genauer, detektivischer Blick. Die entscheidende Frage lautet nicht: „Warum hat mein Kind schon wieder eine schlechte Mathenote?“ sondern: „Woran genau ist es diesmal gescheitert?“ Liegt es am Zeitdruck? An der Konzentration beim Übertragen der Zahlen? An der Hürde, den Text zu verstehen? Oder hat das Kind einfach innerlich abgeschaltet, weil es den Nutzen hinter der x-ten Fliesen-Berechnung für eine imaginäre Terrasse nicht mehr sieht? Wie geht es weiter? Schnappen Sie sich beim nächsten Mal die Arbeit und schauen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nicht nur auf die Fehler, sondern auf die Ursache. Wenn Sie den echten Knackpunkt kennen – ob es nun das Lesetempo, Flüchtigkeit oder ein akuter Sinnverlust ist –, können Sie die Unterstützung genau dort ansetzen, wo sie wirklich hilft. Und Lukas lassen wir seine Avocados einfach alleine nach Hause tragen.

Wir üben und üben - trotzdem werden die Mathenoten nicht besser.

Das ist für viele Eltern und natürlich auch Kinder unglaublich frustrierend. Denn irgendwann entsteht der Gedanke: „Wir machen doch schon so viel – warum klappt es trotzdem nicht?“ Tatsächlich liegt das Problem bei anhaltenden Schwierigkeiten in Mathematik aber oft gar nicht am fehlenden Üben, sondern daran, was genau geübt wird. Denn Mathematik funktioniert ein bisschen wie ein Hausbau: Neue Themen bauen fast immer auf älteren Grundlagen auf. Wenn aber einzelne Basisfähigkeiten unsicher sind, gerät das gesamte System irgendwann ins Wackeln. Viele Kinder lernen dann trotzdem irgendwie weiter mit, entwickeln Ausweichstrategien, merken sich Rechenwege auswendig oder hangeln sich von Klassenarbeit zu Klassenarbeit. Das funktioniert häufig erstaunlich lange – bis die Anforderungen komplexer werden und das Kartenhaus zusammenbricht. Genau deshalb erleben viele Familien folgende Situation: Das Kind übt viel, strengt sich an, sitzt lange an den Hausaufgaben – und die Noten bleiben trotzdem schlecht. Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Kind faul oder unkonzentriert ist. Oft fehlt schlicht das stabile Fundament, auf dem neues Wissen überhaupt sinnvoll aufgebaut werden könnte. Hinzu kommt: Mathematik verlangt dem Gehirn gleichzeitig sehr viel ab. Ein Kind muss: Zahlen im Kopf behalten, Mengen verstehen, Rechenwege planen, Regeln anwenden, Zwischenschritte speichern, und dabei häufig noch unter Zeitdruck arbeiten. Wenn dabei grundlegende Prozesse nicht automatisiert sind, gerät das Arbeitsgedächtnis schnell an seine Grenzen. Das Kind wirkt dann oft „unkonzentriert“, obwohl das Gehirn in Wahrheit einfach überlastet ist. Gerade Kinder mit Rechenschwierigkeiten oder einer Dyskalkulie entwickeln deshalb häufig Vermeidungsverhalten: Sie trödeln, blockieren, verweigern Hausaufgaben oder behaupten plötzlich, Mathematik sei „langweilig“. Dahinter steckt jedoch oft keine fehlende Motivation, sondern die Erfahrung: „Egal wie sehr ich mich anstrenge – es wird trotzdem nicht besser.“ Und genau dieser Punkt ist wichtig: Mehr vom Gleichen hilft nicht immer weiter. Wenn ein Kind seit Monaten oder sogar Jahren übt, ohne dass sich die Situation verbessert, lohnt es sich häufig, genauer hinzuschauen: Welche Grundlagen fehlen möglicherweise? Versteht das Kind wirklich die mathematischen Zusammenhänge? Oder hat es vor allem gelernt, Rechenwege auswendig anzuwenden? Denn manchmal brauchen Kinder nicht mehr Druck oder mehr Arbeitsblätter – sondern einen anderen Zugang zum Lernen.

Weiterführende Informationen zu Dyskalkulie und Mathe-Problemen auf unseren Fachseiten.

Vielleicht lohnt auch ein Blick auf unsere "Lernprobleme zuhause"-Seite, die sich exakt mit schulischem Misserfolg beschäftigt.

Mein Kind zählt noch mit den Fingern – ist das schlimm?

Nein – ich kann dich erst einmal beruhigen: Aus lerntherapeutischer Sicht ist es grundsätzlich nichts Schlimmes, wenn ein Kind beim Rechnen die Finger zur Hilfe nimmt. Und wenn wir ehrlich sind: Wir Erwachsenen tun das ständig. Beim Abzählen von Gästen für die nächste Geburtstagsfeier. Beim Antippen von Punkten auf einer To-do-Liste. Oder wenn wir überlegen: „Moment … habe ich jetzt wirklich an alle gedacht – oder ist Tante Gertrude sonst wieder bis Weihnachten beleidigt?“ Interessant ist dabei, was im Gehirn passiert: Während wir zählen, laufen oft viele Gedanken gleichzeitig ab. Wir überlegen organisatorisch, visualisieren Gesichter, planen voraus und behalten nebenbei noch die eigentliche Zahl im Kopf. Die Finger dienen dabei wie eine kleine äußere Gedankenstütze, damit das System bei all der geistigen Aktivität nicht den Überblick verliert. Ganz ähnlich geht es Kindern beim Rechnen. Denn Rechnen bedeutet nicht nur „plus“ oder „minus“. Ein Kind muss gleichzeitig: Zahlen erinnern, Rechenwege auswählen, Mengen erfassen, sich im Zahlenraum orientieren, Regeln beachten, und häufig zusätzlich mit Stress oder Unsicherheit umgehen. Gerade in der Grundschule ist Fingerrechnen bei vielen Kindern deshalb noch völlig normal und kann ein ganz natürlicher Teil der mathematischen Entwicklung sein. Gerade Kinder mit Rechenschwierigkeiten oder einer Dyskalkulie nutzen die Finger deshalb häufig als Unterstützung. Aber auch viele andere Kinder greifen phasenweise darauf zurück – besonders dann, wenn neue Rechenwege, größere Zahlenräume oder mehrere Denkschritte gleichzeitig bewältigt werden müssen. Die Finger helfen dabei, das Denken zu stabilisieren. Sie sind kein Zeichen von Faulheit oder mangelnder Intelligenz, sondern oft einfach ein sinnvoller Stützmechanismus für ein Gehirn, das gerade sehr viel gleichzeitig leisten muss. Problematisch wird Fingerrechnen erst dann, wenn es das einzige verfügbare Rechensystem eines Kindes bleibt und keine weiteren Strategien hinzukommen. Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen und mögliche Ursachen fachlich abzuklären. Aus lerntherapeutischer Sicht halte ich deshalb pauschale Verbote des Fingerzählens für problematisch. Denn viele Kinder hören dadurch nicht auf zu zählen – sie beginnen lediglich, heimlich zu zählen: unter dem Tisch, in der Hosentasche oder hinter dem Rücken. Wenn man einem Kind etwas verbietet, das ihm in der aktuellen Situation hilft, entsteht schnell Scham. Das Kind bekommt das Gefühl: „So wie ich rechne, bin ich nicht richtig.“ Und genau dieses Gefühl kann langfristig deutlich schädlicher sein als das Fingerrechnen selbst. Deshalb gilt aus meiner Sicht: Fingerrechnen ist nicht grundsätzlich falsch. Aber es kann ein wichtiges Signal sein, genauer hinzusehen – nicht wertend, sondern verstehend.

Mehr zum Thema Fingerzählen und warum wir ein pauschales "Fingerzählen verboten!" für einen pädagogischen Irrweg halten, erfährst du in unserem Blog-Artikel:

Fingerzählen verboten - ein pädagogischer Irrweg?!

Oder erhalte mehr Informationen zu Dyskalkulie und Mathe-Problemen auf unseren Fachseiten.

Wie kann ich meinem Kind in Mathe helfen, ohne dass es immer wieder Streit gibt?

Zunächst einmal ist eines ganz wichtig zu verstehen: Der Ärger eines Kindes richtet sich in solchen Situationen meistens nicht wirklich gegen Mama oder Papa. Viele Kinder erleben die Hausaufgabensituation vielmehr so, als würde die Schule in ihren eigentlichen Schutzraum eindringen. Zuhause sollte der Ort sein, an dem man sich sicher fühlt, angenommen wird und nicht permanent bewertet werden muss. Stattdessen erleben manche Kinder Nachmittag für Nachmittag genau das Gegenteil: Sie müssen ausgerechnet vor den wichtigsten Menschen ihres Lebens zeigen, was sie nicht können, wo sie scheitern oder was sie wieder nicht verstanden haben. Das kann enormen inneren Druck erzeugen. Hinzu kommt, dass Kinder mit Matheschwierigkeiten häufig schon viele Misserfolgserlebnisse gesammelt haben. Manche reagieren dann mit Wut, Verweigerung, Albernheit oder Rückzug – nicht, weil ihnen alles egal ist, sondern weil sie versuchen, sich selbst zu schützen. Deshalb helfen in solchen Situationen oft weder Druck noch endlose Diskussionen. Viel wichtiger ist zunächst, die emotionale Spannung aus der Situation herauszunehmen. Kinder lernen deutlich besser, wenn sie sich sicher fühlen. Das bedeutet nicht, dass man keine Grenzen setzen darf. Aber es bedeutet, dass Lernen langfristig eher über Beziehung, Verständnis und kleine machbare Schritte funktioniert als über Angst, Streit oder ständigen Druck. Und manchmal ist genau das bereits die wichtigste Entlastung für ein Kind: Zu spüren, dass zuhause nicht noch ein zweites Klassenzimmer entsteht.

Weiterführende Informationen zu Dyskalkulie und Mathe-Problemen auf unseren Fachseiten.

Auf unseree "Lernprobleme zuhause"-Seite, "Familienbelastung", gehen wir diesem Phänomen noch tiefer auf den Grund.

Mein Kind vergisst das Einmaleins immer wieder – ist das normal?

Ja. Viel normaler, als es Ihren strapazierten Nerven am Abendbrottisch vermutlich guttut. Kaum ein Thema sorgt für so verlässliche Dramen wie das kleine Einmaleins. Gestern saß die 7er-Reihe noch fehlerfrei, heute wird sie hochkantig aus dem Gedächtnis geworfen, als hätte sie dort nie existiert. Der Gedanke „Das kann doch nicht sein, wir haben das doch schon hundertmal geübt!“ gehört quasi zum Standard-Repertoire von Eltern im Grundschul-Endgegner-Modus. Bevor Sie verzweifeln, machen wir einen kurzen Verständnis-Check. Stellen Sie sich vor, die Lehrkraft muss kurz zum Kopierer und bittet Ihr Kind: „Erkläre der Klasse mal kurz, was 3 × 4 eigentlich bedeutet.“ Kann Ihr Kind erklären oder aufmalen, dass damit drei Gruppen mit jeweils vier Dingen gemeint sind? Super. Dann ist das Fundament da. Wenn es bei der Erklärung allerdings ins Schwimmen gerät und nur stumpf „12!“ ruft, lohnt sich ein genauerer Blick. Gerade bei einer Dyskalkulie liegt der Knackpunkt oft nicht beim Merken, sondern beim Verständnis der Menge dahinter. In den allermeisten Fällen ist das wackelige Einmaleins aber schlicht ein logistisches Problem im kindlichen Gehirn. Viele Kinder lernen die Reihen nämlich wie ein musikalisches Liedchen auswendig: 3 – 6 – 9 – 12 – 15 – 18 ... Das klingt beim Aufsagen im Badezimmer toll, ist für das Gehirn aber ungefähr so bedeutungsvoll wie die Telefonnummern wildfremder Menschen. Fragt man dann mitten in der Klassenarbeit plötzlich nach 6 × 3, muss das Kind im Kopf erst den kompletten Song von vorne absingen, um zur richtigen Strophe zu kommen. Das kostet Zeit und Nerven. Hilfreicher ist es, die Aufgaben immer als Ganzes zu lernen: Einmal drei ist drei. Zweimal drei ist sechs. Dreimal drei ist neun. Plötzlich entsteht ein Zusammenhang statt einer bloßen Zahlenkette. Das Gehirn bekommt etwas, woran es andocken kann. Ein weiterer Faktor, den wir Erwachsenen oft unterschätzen: Das Einmaleins ist ein Marathon, kein Sprint. Das Gehirn braucht häufig Monate – nicht Wochen! – regelmäßiger, kleiner Wiederholungen, bis die Ergebnisse wirklich fest verdrahtet sind. Das ist kein Zeichen von mangelnder Intelligenz, sondern völlig normale biologische Festplatten-Arbeit. Und dann gibt es da noch einen besonders charmanten, aber heimtückischen Stolperstein: den elterlichen Trost-Versuch. Viele Eltern sagen liebevoll: „Ach Schatz, mach dir nichts draus, ich konnte mir das kleine Einmaleins früher auch nie merken.“ Sie wollen Druck herausnehmen. Das Kind hört daraus manchmal allerdings etwas ganz anderes: „Mama hat es nicht gelernt. Mama ist trotzdem erwachsen geworden. Dann scheint das Ganze wohl nicht so wichtig zu sein.“ Das ist eine erstaunlich logische Schlussfolgerung. Die entscheidende Frage lautet daher meistens nicht: „Kann mein Kind das Einmaleins überhaupt lernen?“ sondern: „Haben wir schon lange genug, regelmäßig genug und vor allem sinnvoll genug geübt?“ Wie geht es weiter? Die gute Nachricht ist: Das Einmaleins ist kein Schicksal, sondern eine Fähigkeit, die sich aufbauen lässt. Mit Verständnis, regelmäßiger Wiederholung und etwas Geduld wird aus mühsamem Nachdenken nach und nach ein automatischer Griff ins Gedächtnis. Und wenn Ihr Kind morgen die 7 × 8 wieder vergessen hat: Tief durchatmen. Die 56 läuft nicht weg. 😉

Vielleicht habt ihr beim Lesen gemerkt:

Nicht jede Mathe-Schwierigkeit

hat dieselbe Ursache.

 

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