
Warum hat mein Kind Legasthenie /LRS?
Die Legasthenie ist ein komplexes Bild.
Die Ursachen einer Lese-Rechtschreibschwäche sind noch nicht vollständig geklärt, aber es scheint sich um ein multifaktorielles Geschehen zu handeln.
Vergleiche von eineiigen mit zweieiigen Zwillingen belegen auf jeden Fall eine genetische Veranlagung (Disposition), d.h. die Erblichkeit der Lese- und Rechtschreibfähigkeit liegt bei etwa 60 bis 70%
Ursachen - Bündel der Legasthenie:
Legasthenieursache Genetik
Forschungen zeigen, dass genetische Faktoren bei der Entstehung von Legasthenie eine wichtige Rolle spielen.
Bestimmte Gene beeinflussen die Entwicklung von Hirnregionen, die für das Lesen und Schreiben besonders wichtig sind.
Diese Hirnregionen helfen dabei, Buchstaben mit Lauten zu verknüpfen, Wörter zu erkennen und Sprache zu verarbeiten.
Bei Menschen mit Legasthenie reagieren diese Bereiche von Geburt an oft weniger stark auf Übung und Training. Deshalb benötigen sie meist mehr Zeit und eine gezielte Förderung, um Lesen und Schreiben sicher zu erlernen.
Legasthenieursache Neurobiologie
Studien zeigen, dass die Verarbeitung von Sprache und Schrift bei Menschen mit Legasthenie in bestimmten Bereichen der linken Gehirnhälfte anders organisiert ist als bei Menschen ohne Lese-Rechtschreibstörung.
Thomas G. West sieht darin nicht nur eine Schwäche, sondern auch einen Hinweis auf eine andere Art des Denkens.
Er beschreibt die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben als einen möglichen Kompromiss des Gehirns, das dafür auf anderen Gebieten besondere Stärken entwickeln kann.
Viele Menschen mit Legasthenie zeigen beispielsweise ausgeprägte Fähigkeiten im kreativen, räumlichen oder vernetzten Denken.
Legasthenieursache Kognition
Die Ärzte Brock und Fernette Eide gehen davon aus, dass viele Menschen mit Legasthenie Informationen anders verarbeiten als Menschen ohne Lese-Rechtschreibstörung.
Sie denken häufig stärker in Bildern, Mustern und Zusammenhängen als in sprachlichen Abfolgen.
Während Lesen und Schreiben eine schrittweise Verarbeitung von Buchstaben, Lauten und Wörtern erfordern, arbeitet visuell-räumliches Denken eher ganzheitlich.
Dies kann einerseits zu Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben führen, andererseits aber auch besondere Stärken im kreativen, räumlichen und vernetzten Denken begünstigen.
Legasthenie als Talentsignal
Die Ärzte Brock und Fernette Eide beschreiben vier Denkstärken, die sie bei vielen Menschen mit Legasthenie besonders häufig beobachten. Sie nennen diese Fähigkeiten die MIND-Stärken:
M – Materielles Denken: ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen und Denken in Bildern.
I – Vernetztes Denken: die Fähigkeit, Muster, Zusammenhänge und Systeme schnell zu erfassen.
N – Narratives Denken: ein gutes Gedächtnis für Geschichten, Erlebnisse und konkrete Erfahrungen.
D – Dynamisches Denken: die Fähigkeit, Entwicklungen vorauszudenken und Veränderungen früh zu erkennen.
Nicht jeder Mensch mit Legasthenie verfügt über alle diese Stärken. Sie zeigen jedoch, dass Legasthenie weit mehr ist als eine Schwierigkeit beim Lesen und Schreiben.

