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Auf dieser Seite findet ihr keine trockenen Definitionen, sondern Antworten auf Fragen, die viele Eltern nachts im Bett wirklich beschäftigen.

Die folgenden Antworten basieren auf unserer lerntherapeutischen Arbeit mit Kindern mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, LRS und Legasthenie sowie schulischen Lernblockaden.

Wenn Schule zum negativen Dauerbrenner wird - ist das Schulismus?

Von Schulismus spricht man, wenn Schule sich zum alles bestimmenden Thema im Familienalltag entwickelt. Natürlich ist Schule ein wichtiger Lebensbereich. Sie begleitet Familien über viele Jahre hinweg und hat großen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes. Es ist deshalb sinnvoll und wichtig, dass Eltern Interesse an schulischen Themen zeigen und ihr Kind beim Lernen begleiten. Problematisch wird es jedoch, wenn Schulerfolg zum beherrschenden Thema in der Eltern-Kind-Beziehung wird und in fortgeschrittenen Fällen sogar die Paarbeziehung, die Freizeitgestaltung und den gesamten Familienalltag prägt. Dann verschiebt sich der Fokus von einem gesunden Interesse an Schule hin zu einer dauerhaften gedanklichen und emotionalen Fixierung auf schulische Leistungen und Probleme. Ein wichtiges Merkmal von Schulismus ist dabei nicht nur die Menge der Zeit und Aufmerksamkeit, die dem Thema Schule gewidmet wird. Entscheidend ist vielmehr, dass Schule nach und nach andere wichtige Inhalte der Beziehungen innerhalb der Familie verdrängt. Gespräche drehen sich immer häufiger um Hausaufgaben, Noten, Lernprobleme oder Konflikte mit der Schule. Themen wie gemeinsame Erlebnisse, Hobbys, Freundschaften, Zukunftsträume oder einfach die Freude am Zusammensein treten zunehmend in den Hintergrund. Schulismus lässt sich daher als eine übermäßige und anhaltende Beschäftigung einer Familie mit dem Thema Schule beschreiben. Die Gedanken und Gespräche kreisen immer wieder um schulische Anforderungen und Schwierigkeiten. Die damit verbundenen Gefühle sind häufig von Sorge, Druck, Frustration oder Streit geprägt. Schule bestimmt zunehmend die Stimmung innerhalb der Familie und beeinflusst den Alltag weit über das eigentliche Lernen hinaus. Kurz gesagt: Nicht die Schule steht beim Schulismus im Mittelpunkt, sondern die Familie verliert durch die ständige Beschäftigung mit Schule den Blick für alles andere, was eine gesunde und lebendige Beziehung ausmacht.

Bei uns dreht sich morgens, mittags und abends alles nur noch um Schule. Sind das Schulismus- Symptome?

Ja – das klingt tatsächlich recht eindeutig nach Schulismus. Vor allem deshalb, weil in dieser Beschreibung zwei kleine Worte mitschwingen, die uns in der Lerntherapie immer wieder begegnen: „nur noch“ Sobald ihr das Gefühl habt, dass sich „nur noch“ alles um Schule dreht, verrät das gleichzeitig, dass ihr etwas anderes schmerzlich vermisst: Die Familie als Ort zum Auftanken. Das Zuhause als geschützten Raum. Das Gefühl, einfach wieder Mutter, Vater, Kind oder Geschwister sein zu dürfen – und nicht ständig Schüler, Hilfslehrer, Kontrolleur oder Sorgenmanager. Dass eine Familie in die Schulismus-Falle geraten ist, erkennt ihr häufig an folgendem Symptom-Cluster: * Hausaufgaben bestimmen die Stimmung eurer gesamten Familie. * Wochenenden dienen vor allem dem Aufholen von Schulstoff. * Noten bestimmen zunehmend euren Familienfrieden. * Gespräche drehen sich fast nur noch um Schule – nicht nur zwischen euch und eurem Kind, sondern auch zwischen euch Erwachsenen. * Geschwister leiden unter den Spannungen mit. * Ihr fühlt euch immer häufiger wie Hilfslehrer statt wie Eltern. * Ihr macht euch zunehmend Sorgen um die Zukunft eures Kindes. * Das Kind wird von euch immer häufiger als „bockig“, „faul“ oder „unmotiviert“ erlebt. * Eure gemeinsame Familienzeit wird von schulischen Themen überschattet. * Das Thema Schule begleitet die Familie bis in den Feierabend, ins Wochenende oder sogar in den Urlaub hinein. Wichtig ist dabei: Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten, damit von Schulismus gesprochen werden kann. Entscheidend sind vor allem zwei Punkte: 1. Die Situation besteht bereits über einen längeren Zeitraum (oft mehrere Monate). 2. Das Thema Schule wird von immer mehr Familienmitgliedern als Belastung erlebt. Viele Eltern sind erleichtert, wenn sie erkennen: „Ja, genau so ist es bei uns.“ Doch das Erkennen des Problems ist nur der erste Schritt. Mindestens genauso wichtig ist es zu verstehen, warum Familien überhaupt in die Schulismus-Falle geraten. Denn Schulismus ist kein Versagen. Schulismus ist der Moment, in dem die Sorge um das eigene Kind neurobiologisch die Oberhand gewinnt. Und wenn wir Angst haben, treffen wir oft Entscheidungen, die kurzfristig verständlich sind – langfristig aber das Problem verstärken können. Deshalb möchten wir an dieser Stelle etwas ganz Wichtiges sagen: Ihr seid nicht gescheitert. - Ihr sorgt euch um euer Kind. Wenn ihr euch in dieser Beschreibung wiedererkennt, gibt es keinen Grund, euch schuldig zu fühlen. Und genau deshalb lohnt sich jetzt ein Blick auf die Ursachen von Schulismus. Denn erst wenn wir verstehen, wie Schulismus entsteht, können wir beginnen, ihn wieder aufzulösen.

Wie kann ich meinem Kind bei einer Rechtschreibschwäche wirklich helfen?

Die größte Hilfe, die Eltern einem Kind mit Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche geben können, ist echtes Verständnis. Und damit meinen wir weder Mitleid noch das dauerhafte Aus-dem-Weg-Räumen aller Steine. Verständnis bedeutet zunächst anzuerkennen, dass das eigene Kind es beim Erwerb der Schriftsprache tatsächlich schwerer hat als viele andere Kinder. Es braucht oft mehr Zeit, mehr Wiederholungen und manchmal auch andere Lernwege. Verständnis bedeutet aber auch, an etwas ganz Entscheidendes zu glauben: Eine Legasthenie macht den Weg schwieriger – sie macht ihn nicht unmöglich. Gerade Kinder mit Teilleistungsschwächen brauchen deshalb beides: Förderung UND Forderung. Warum? Weil Kinder sonst leicht in eine Art „erlernte Hilflosigkeit“ rutschen können. In der Lerntherapie hören wir häufig Sätze wie: „Ich habe halt Legasthenie.“ Und von Eltern hören wir oft den unglaublich liebevoll gemeinten Satz: „Wir wollen ihn oder sie einfach nicht überlasten.“ Beides ist verständlich. Ja, das Kind hat eine Legasthenie oder LRS. Ja, ein Kind sollte nicht überfordert werden. Aber eine Legasthenie entbindet nicht von Anstrengungsbereitschaft. Und Eltern dürfen ihrem Kind weiterhin zutrauen, Herausforderungen anzunehmen und daran zu wachsen. Der Satz: „Ich weiß, du kannst das nicht.“ ist meist Ausdruck von Liebe und Schutz. Trotzdem hilft er dem Kind nicht. Denn Kinder übernehmen oft das Bild, das wichtige Erwachsene von ihnen haben. Wenn Eltern dauerhaft vermitteln, dass bestimmte Dinge ohnehin nicht gelingen werden, beginnt das Kind irgendwann selbst daran zu glauben. Vielleicht macht ein Vergleich deutlich, was wir meinen: Viele Menschen bewundern die Teilnehmer der Paralympics. Natürlich wegen ihrer sportlichen Leistungen. Vor allem aber deshalb, weil sie zeigen, was möglich wird, wenn Menschen sich von ihren Einschränkungen nicht definieren lassen. Hand aufs Herz: Hätten diese Athletinnen und Athleten ihre Ziele erreicht, wenn man ihnen schon als Kindern immer wieder gesagt hätte: „Du kannst das halt nicht.“ Wahrscheinlich nicht. Und genau deshalb helfen Eltern ihrem Kind mit Legasthenie am meisten, wenn sie die Schwierigkeiten realistisch sehen und gleichzeitig an die Entwicklungsmöglichkeiten ihres Kindes glauben. Man sagt oft: Kinder brauchen Wurzeln und Flügel. Für Kinder mit Teilleistungsschwächen gilt das ganz besonders. Die Wurzeln entstehen durch Verständnis, Geduld und Rückhalt. Die Flügel entstehen durch Erfolgserlebnisse. Und genau diese Erfolgserlebnisse können Eltern aktiv fördern: * durch kurze, überschaubare Übungseinheiten, * durch alternative Lernwege, * durch kleine erreichbare Zwischenziele, * durch echtes Lob für Anstrengung und Fortschritte, * und durch einen engen Austausch mit der Schule. Denn mehr vom Gleichen hilft selten, wenn schon weniger vom Gleichen nicht funktioniert hat. Kinder mit Legasthenie brauchen nicht weniger Zutrauen. Sie brauchen mehr Gelegenheiten zu erleben: „Das war schwer – aber ich habe es geschafft.“

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