
Häufige Fragen rund um Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Legasthenie
Auf dieser Seite findet ihr keine trockenen Definitionen, sondern Antworten aus der Praxis auf Fragen, die viele Eltern nachts im Bett wirklich beschäftigen.
Eine kostenlose persönliche Experten-Ersteinschätzung für genau dein Kind erhälst du über unseren kostenlosen Online-Test "Lernblockade-Kompass".
Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie, Dyslexie und Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)?
Die Begriffe Legasthenie, Dyslexie und LRS werden im Alltag oft durcheinander verwendet – und ganz ehrlich: Für Eltern ist diese Begriffslandschaft auch nicht gerade einladend sortiert. Dyslexie ist vor allem der international gebräuchliche Begriff für Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Im deutschsprachigen Raum wird dafür häufig der Begriff Legasthenie verwendet. LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Lese-Rechtschreib-Störung. Damit sind anhaltende Schwierigkeiten beim Lesen und/oder Schreiben gemeint, die deutlich über normale Anfangsfehler hinausgehen. In der Praxis überschneiden sich diese Begriffe stark. Je nach Schule, Arztpraxis, Gutachten oder Bundesland wird mal von Legasthenie, mal von LRS, mal von Dyslexie gesprochen. Auf dieser Seite verwenden wir die Begriffe Legasthenie und LRS weitgehend synonym. Gemeint sind damit Kinder, die beim Lesen und Schreiben trotz Übung dauerhaft große Schwierigkeiten haben – nicht, weil sie faul, unkonzentriert oder weniger intelligent wären, sondern weil die Verarbeitung von Schrift nicht ausreichend automatisiert läuft. Wichtiger als der perfekte Begriff ist deshalb die Frage: Was genau fällt dem Kind schwer – und welche Unterstützung hilft ihm wirklich weiter?
Mein Kind schreibt trotz Üben immer wieder dieselben Fehler – ist das noch normal?
Ja, wiederkehrende Fehler beim Lesen und Schreiben sind tatsächlich erst einmal nichts Ungewöhnliches. Zum Glück ist jeder Mensch mit einem ganz eigenen Bündel an besonderen Fähigkeiten und Talenten ausgestattet. Das bedeutet im Umkehrschluss gleichzeitig, dass jeder Mensch auch unterschiedliche Schwachpunkte hat. Und bei manchen Menschen ist einfach die Fähigkeit der Rechtschreibung und/oder der Wortbilderkennung beim Lesen schwächer ausgeprägt, was dann trotz Übens immer wieder zu gleichen oder ähnlichen Fehlern führt. Das bedeutet allerdings nicht, dass Lernen unmöglich wäre – manche Kinder benötigen lediglich andere Wege, mehr Zeit oder gezieltere Unterstützung. Niemand würde sich die Frage stellen, ob es noch normal ist, wenn ein Kind trotz Übens 50 Meter immer nur in 12 Sekunden läuft, sondern die Antwort läge glasklar auf der Hand: Nicht jeder hat die körperlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sprinter-Karriere – umgangssprachlich würde man vielleicht einfach sagen: „Die Maus ist halt unsportlich.“ Nun ist aber Lesen und Schreiben in unserer heutigen Welt eine Elementarfähigkeit, die man tatsächlich erlernen MUSS, um durchs Leben zu kommen (im Gegensatz zum Sprinten – das war für unsere Vorfahren in der Steinzeit noch ein echter Wettbewerbsvorteil, während es damals völlig genügte, wenn die Fähigkeiten zum Geschichtenerzählen eher rudimentär ausgeprägt waren). Das bedeutet gleichzeitig aber auch: Lesen und Schreiben sind keine „natürlichen“ Fähigkeiten unseres Gehirns wie Sprechen oder Laufen, sondern echte Kulturtechniken, die manche Kinder deutlich mühsamer erlernen als andere. Das bedeutet, dass man sich die Frage stellen muss, wo die Grenze zwischen gewöhnlichen Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb und einer Ausprägung verläuft, die eine besondere Förderung benötigt. Dies lässt sich in aller Regel grob an der Art der Fehler einschätzen. Fehler, die auf einen erhöhten Förderbedarf hindeuten können, sind in aller Regel: * konstantes Vertauschen von b und d * auffällige Fehler in der Groß- und Kleinschreibung, obwohl die Regeln bereits mehrfach erklärt und geübt wurden * über Klassenstufe 2 hinaus ausgeprägtes lautgetreues Schreiben oder so schreiben, wie auch buchstabiert wird (NT SN = 🦆essen😉) Hier sollte möglichst frühzeitig externe, professionelle Förderung in Betracht gezogen werden, bevor die Fehler Auswirkungen auf das Selbstbild nehmen. Denn häufig sind nicht die Rechtschreibfehler selbst das größte Problem, sondern die Gedanken, die Kinder irgendwann über sich selbst entwickeln: „Ich bin dumm.“ „Ich kann das einfach nicht.“ Und genau das soll verhindert werden.
Weiterführende Informationen zu Lese-Rechtschreib-Problemen auf unseren Fachseiten.
Woran erkene ich Legasthenie bzw. eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS)?
Das Wichtigste direkt vorab: Wenn das Gehirn beim Lesen und Schreiben ab und zu ein paar Extrarunden dreht, hat das absolut nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun. Viele Kinder mit LRS oder Legasthenie sind ausgesprochen kreativ, sprachlich stark, neugierig oder glänzen im logischen Denken. Ihr Gehirn verarbeitet Buchstaben und Laute bloß weniger automatisiert. Sie nehmen manchmal einfach die landschaftlich reizvolle, wenn auch etwas zeitaufwendigere Umleitung und benötigen deshalb andere Routenplaner und eine gezielte Unterstützung. Gerade zu Beginn der Schulzeit wirbeln fast alle Kinder die Buchstaben durcheinander. Das gehört zum Lernen dazu. Entscheidend ist nicht, dass Fehler passieren, sondern ob die Hürden trotz fleißigen Übens dauerhaft bestehen bleiben und die Hausaufgaben zunehmend zur täglichen Belastungsprobe für die ganze Familie werden. Typische Warnzeichen beim Lesen Mühsames „Erlesen“ Das Kind liest sehr langsam und buchstabiert sich mühsam von Laut zu Laut voran. Das ist so anstrengend, dass am Ende des Satzes der Anfang oft schon wieder in Vergessenheit geraten ist. Das Lesen fühlt sich dann weniger wie eine spannende Geschichte an, sondern eher wie ein kleiner Marathon im Tiefschnee. Kreatives Wörter-Erraten Da das flüssige Wiedererkennen von Wörtern noch hakt, improvisieren viele Kinder recht charmant: Aus „Haus“ wird kurzerhand „Hund“, aus „Garten“ wird „Garage“. Der Text wird mit viel Fantasie und Blick auf den logischen Zusammenhang einfach selbst weitererzählt. Verrutschen in der Zeile Der Text wird schnell unübersichtlich. Das Kind verliert die Zeile, springt hin und her, lässt kleine Wörter aus oder lässt Wortendungen einfach unter den Tisch fallen. Typische Warnzeichen beim Schreiben Fehlerinkonstanz (Die Vielfalt im Heft) Dasselbe Wort wird innerhalb eines Textes immer wieder anders falsch geschrieben – zum Beispiel „Vater“, „Fater“ und „Vatar“. Dem inneren Auge fehlt noch das feste, stabile „Foto“ des Wortes, weshalb es fast jedes Mal neu erfunden werden muss. Anhaltendes lautgetreues Schreiben Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche schreiben oft auch in der dritten oder vierten Klasse noch streng nach dem Gehör – also genau so, wie man es spricht. Da wird aus „von“ eben ein konsequentes „fong“ und aus den „Häusern“ die „Heuser“. Das ist zwar logisch gedacht, geht aber an den Rechtschreibregeln vorbei. Buchstaben-Tausch Buchstaben, die sich optisch sehr ähnlich sehen – wie b und d oder p und q –, werden dauerhaft vertauscht, verdreht oder gespiegelt, obwohl diese Unterscheidung eigentlich schon sicher sitzen sollte. Der wichtigste Hinweis: Das Verhalten und die Stimmung Das deutlichste Warnzeichen steht meistens nicht im Diktatheft, sondern zeigt sich in der Veränderung des Kindes. Wenn die täglichen Hausaufgaben regelmäßig in Tränen, Wut oder völliger Verweigerung enden, steckt dahinter keine Faulheit, sondern schlichte Überforderung. Wer trotz großer Mühe immer wieder Misserfolge erlebt, versucht sich irgendwann selbst zu schützen. Dann beginnen sich im Kopf leise Zweifel festzusetzen: „Ich bin bestimmt zu dumm.“ „Ich kann das einfach nicht.“ „Mit mir stimmt irgendetwas nicht.“ Spätestens an diesem Punkt sollte der Leistungsdruck herausgenommen und professionelle Unterstützung in Betracht gezogen werden. Wann ist Hilfe von außen sinnvoll? Wenn die Schwierigkeiten von Dauer sind und das gemeinsame Üben zu Hause kaum Früchte trägt, kann eine genaue Diagnostik und gezielte Förderung vor allem eines bringen: enorme Entlastung für das Kind und den Familienfrieden. Es nimmt den „Therapie-Druck“ aus der Eltern-Kind-Beziehung, sodass Eltern wieder einfach „nur“ Eltern sein dürfen. Eine gute Unterstützung hilft Kindern mit Legasthenie oder LRS dabei: passende und clevere Lernstrategien für den Buchstabendschungel zu entwickeln, wieder Schritt für Schritt Sicherheit im Umgang mit Schrift aufzubauen, endlich wieder echte Erfolgserlebnisse zu feiern, und das angeknackste Selbstvertrauen wieder ordentlich aufzupolieren. Denn erfolgreiches Lernen beginnt nicht mit Druck, sondern mit dem beruhigenden Gefühl: „Ich kann das schaffen – eben auf meinem eigenen Weg.“
Noch mehr zu Legasthenie-Symptomen findest du auf unserer Fachseite.
Warum versteht mein Kind den Inhalt gelesener Texte nicht?
Ein kurzer Selbstversuch, der zeigt, warum Lesen manchmal gelingt – und trotzdem kaum Inhalt im Kopf ankommt. Auflösung in der Ausklapp-Antwort darunter.

Wenn ein Kind einen Text liest und anschließend kaum sagen kann, worum es ging, liegt das nicht automatisch an mangelnder Konzentration, fehlender Intelligenz oder Desinteresse. Sehr oft ist das Problem viel einfacher – und gleichzeitig viel anstrengender: Das Kind war beim Lesen so sehr mit dem Entziffern der Wörter beschäftigt, dass für den Inhalt kaum noch Kraft übrig blieb. Vielleicht hast du den kleinen Selbstversuch oben gerade gemacht. Dann jetzt die Frage, ohne nachzusehen: Wie lautete das griechische Wort für die Blume, die als dritte genannt wurde? Unsicher? Genau darum geht es. Du konntest den Satz mithilfe der Aussprachehilfe vielleicht irgendwie bewältigen. Aber vermutlich warst du so sehr damit beschäftigt, Zeichen zu erkennen, Laute zuzuordnen und Wörter zusammenzusetzen, dass für den Inhalt kaum Aufmerksamkeit übrig blieb. Lesen bedeutet nämlich nicht nur, Buchstaben irgendwie laut vorzulesen. Beim flüssigen Lesen laufen viele Prozesse fast gleichzeitig ab: Buchstaben erkennen, Laute zuordnen, Wörter wiedererkennen, Sätze verstehen, wichtige Informationen behalten und Sinnzusammenhänge herstellen. Bei geübten Lesenden passiert vieles davon automatisch. Sie lesen ein Wort nicht mehr mühsam Buchstabe für Buchstabe, sondern erkennen es sofort als Ganzes. Dadurch bleibt im Kopf genug Platz für die eigentliche Frage: Was bedeutet dieser Text? Bei Kindern mit LRS oder Legasthenie ist genau diese Automatisierung häufig noch nicht stabil genug. Das Kind liest dann zwar äußerlich, leistet innerlich aber Schwerstarbeit. „Du hast es doch gerade erst gelesen!“ – Kommt dir dieser Satz, ausgesprochen in einem Tonfall irgendwo zwischen leicht gereizt und halb verzweifelt, bekannt vor? Er entfährt Eltern und Lehrkräften in so einem Moment schnell. Ich nehme mich da selbst als Legasthenie-Kind-Mama a. D. nicht aus. Er ist aber meilenweit von dem entfernt, was das Kind gerade tatsächlich geleistet hat. Nach dem, was du im Selbstversuch gerade selbst geleistet hast, würdest du diesen Vorwurf wahrscheinlich auch nicht besonders gern hören wollen, oder? Dieser Versuch zeigt natürlich nicht, wie Kinder mit Legasthenie die Schrift optisch sehen. Er zeigt aber sehr gut, wie anstrengend Lesen wird, wenn Schrift nicht automatisch verarbeitet werden kann. Ähnlich kann es einem Kind mit LRS oder Legasthenie in einem Lesetest gehen: Es liest. Es bemüht sich. Es strengt sich an. Und trotzdem ist am Ende zu wenig im Kopf angekommen, weil die gesamte Energie schon beim Entziffern verbraucht wurde. Das Kind hat den Text also nicht „nicht verstanden“, weil es faul, unaufmerksam oder nicht klug genug wäre. Es hatte schlicht zu wenig freie Kapazität, um gleichzeitig zu lesen, den Inhalt zu behalten und anschließend Fragen dazu zu beantworten. Darum hilft es Kindern mit Legasthenie und LRS meistens wenig, einfach nur mehr zu lesen oder sie immer wieder zu ermahnen, „besser aufzupassen“. Sinnvoller ist es, gezielt an den Grundlagen zu arbeiten: sichere Worterkennung, Leseflüssigkeit, Silbenstrukturen, Lesestrategien und kleine Zwischenschritte beim Textverständnis. Denn erst wenn das Lesen weniger Kraft kostet, kann der Kopf wieder das tun, worum es eigentlich geht: verstehen, mitdenken und Freude an Geschichten entwickeln.
Weiterführende Informationen zu Lese-Rechtschreib-Problemen auf unseren Fachseiten.
Wer kann mein Kind auf Legasthenie testen?
Bei Legasthenie-Testungen ist zunächst einmal Vorsicht geboten – schon alleine deshalb, weil es DEN einen „Legasthenie-Test“ in dieser Form eigentlich gar nicht gibt. Die Diagnose „Legasthenie“ ist immer eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet: Es reicht nicht aus, einfach nur die Rechtschreibleistung eines Kindes zu testen und anschließend ein Etikett zu vergeben. Vielfach werden im Vorfeld von Fördermaßnahmen oder Therapie-Angeboten kostenlose „Legasthenie-Tests“ angeboten. Hier kommen häufig standardisierte Rechtschreibtests wie etwa die Hamburger Schreibprobe zum Einsatz. Dabei wird die Fehlerzahl des Kindes mit statistischen Durchschnittswerten verglichen. Teilweise wird zusätzlich noch ein Lesetest durchgeführt, bei dem Lesegeschwindigkeit und Lesegenauigkeit überprüft werden. Das Problem dabei: Solche Testungen bestätigen häufig lediglich den bereits bestehenden Verdacht, dass das Kind im Lesen oder Schreiben vom Durchschnitt abweicht. Wirklich überraschend ist das meist nicht – denn Eltern, deren Kinder völlig unauffällig lesen und schreiben, vereinbaren in aller Regel keine Legasthenie-Testung. Eine umfassende diagnostische Abklärung ist deshalb deutlich komplexer aufgebaut. Die Diagnose „Legasthenie“ wird nämlich erst dann gestellt, wenn die Lese- und/oder Rechtschreibleistung deutlich unter dem liegt, was aufgrund der allgemeinen Intelligenz des Kindes eigentlich zu erwarten wäre – und gleichzeitig weder mangelnde Beschulung noch körperliche Ursachen wie Seh- oder Hörstörungen die Schwierigkeiten erklären. Das bedeutet konkret: Für eine fachgerechte Diagnostik braucht es in der Regel * einen allgemeinen IQ-Test, * einen Rechtschreibtest, * einen Lesetest, * den Ausschluss organischer Ursachen, * sowie eine ausführliche Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese). Genau deshalb sollte eine Legasthenie-Diagnostik immer durch qualifizierte Fachpersonen durchgeführt werden. ## Wer führt solche Diagnostiken durch? Grundsätzlich kommen hierfür zwei Gruppen infrage: ### 1. Besonders ausgebildete Lerntherapeuten #### Vorteile: * oft sehr großes Einfühlungsvermögen in Kinder mit schulischen Teilleistungsschwächen, * viel praktische Erfahrung nicht nur in der Diagnostik, sondern auch in der späteren Förderung, * Termine häufig deutlich schneller verfügbar, * Seh- und Hörscreenings werden teilweise direkt mit durchgeführt. #### Nachteile: * die Kosten müssen in der Regel privat getragen werden, * für eine spätere Kostenübernahme einer Therapie durch das Jugendamt (§35a SGB VIII) wird oftmals zusätzlich noch eine Stellungnahme eines Kinder- und Jugendpsychiaters benötigt. --- ### 2. Psychologen sowie Kinder- und Jugendpsychiater #### Vorteile: * die Kosten der Diagnostik werden häufig von der Krankenkasse übernommen, * die Ergebnisse werden von Jugendämtern und Krankenkassen uneingeschränkt anerkannt. #### Nachteile: * häufig sehr lange Wartezeiten (nicht selten länger als sechs Monate), * zusätzliche Termine bei Augen- oder HNO-Ärzten sind oft notwendig, * manche Kinder empfinden die diagnostische Situation als eher klinisch oder belastend. Leider gibt es in Deutschland aktuell selten den perfekten Weg: Entweder erhält man schnell praxisnahe Hilfe, muss diese aber häufig privat finanzieren – oder man wartet sehr lange auf eine kassenfinanzierte Diagnostik. Und genau hier beginnt für viele Familien das eigentliche Problem: Der Schulstoff nimmt leider keine Rücksicht auf Arztwartezeiten. Mein ganz persönlicher Rat – diesmal nicht als Lerntherapeutin, sondern als betroffene Mutter, die auch Kinder mit Teilleistungsstörungen durch die Schullaufbahn navigieren musste: Ich würde immer zweigleisig fahren! Also: Jetzt zeitnah eine fundierte Legasthenie-Testung und passende Förderung bei einem Lerntherapeuten organisieren, damit dem Kind möglichst schnell geholfen werden kann und parallel dazu Termine bei Psychologen oder Kinder- und Jugendpsychiatern vereinbaren, um langfristig auch Fragen der Kostenübernahme abzuklären. Denn leider kann verlorene Lernzeit bei Kindern schnell zu zusätzlichem Druck, Frust und Selbstzweifeln führen. Und genau das sollte man möglichst früh verhindern.
Wie kann ich mein Kind mit Legasthenie / LRS richtig unterstützen?
Die größte Hilfe, die Eltern einem Kind mit Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche geben können, ist echtes Verständnis. Und damit meinen wir weder Mitleid noch das dauerhafte Aus-dem-Weg-Räumen aller Steine. Verständnis bedeutet zunächst anzuerkennen, dass das eigene Kind es beim Erwerb der Schriftsprache tatsächlich schwerer hat als viele andere Kinder. Es braucht oft mehr Zeit, mehr Wiederholungen und manchmal auch andere Lernwege. Verständnis bedeutet aber auch, an etwas ganz Entscheidendes zu glauben: Eine Legasthenie macht den Weg schwieriger – sie macht ihn nicht unmöglich. Gerade Kinder mit Teilleistungsschwächen brauchen deshalb beides: Förderung UND Forderung. Warum? Weil Kinder sonst leicht in eine Art „erlernte Hilflosigkeit“ rutschen können. In der Lerntherapie hören wir häufig Sätze wie: „Ich habe halt Legasthenie.“ Und von Eltern hören wir oft den unglaublich liebevoll gemeinten Satz: „Wir wollen ihn oder sie einfach nicht überlasten.“ Beides ist verständlich. Ja, das Kind hat eine Legasthenie oder LRS. Ja, ein Kind sollte nicht überfordert werden. Aber eine Legasthenie entbindet nicht von Anstrengungsbereitschaft. Und Eltern dürfen ihrem Kind weiterhin zutrauen, Herausforderungen anzunehmen und daran zu wachsen. Der Satz: „Ich weiß, du kannst das nicht.“ ist meist Ausdruck von Liebe und Schutz. Trotzdem hilft er dem Kind nicht. Denn Kinder übernehmen oft das Bild, das wichtige Erwachsene von ihnen haben. Wenn Eltern dauerhaft vermitteln, dass bestimmte Dinge ohnehin nicht gelingen werden, beginnt das Kind irgendwann selbst daran zu glauben. Vielleicht macht ein Vergleich deutlich, was wir meinen: Viele Menschen bewundern die Teilnehmer der Paralympics. Natürlich wegen ihrer sportlichen Leistungen. Vor allem aber deshalb, weil sie zeigen, was möglich wird, wenn Menschen sich von ihren Einschränkungen nicht definieren lassen. Hand aufs Herz: Hätten diese Athletinnen und Athleten ihre Ziele erreicht, wenn man ihnen schon als Kindern immer wieder gesagt hätte: „Du kannst das halt nicht.“ Wahrscheinlich nicht. Und genau deshalb helfen Eltern ihrem Kind mit Legasthenie am meisten, wenn sie die Schwierigkeiten realistisch sehen und gleichzeitig an die Entwicklungsmöglichkeiten ihres Kindes glauben. Man sagt oft: Kinder brauchen Wurzeln und Flügel. Für Kinder mit Teilleistungsschwächen gilt das ganz besonders. Die Wurzeln entstehen durch Verständnis, Geduld und Rückhalt. Die Flügel entstehen durch Erfolgserlebnisse. Und genau diese Erfolgserlebnisse können Eltern aktiv fördern: * durch kurze, überschaubare Übungseinheiten, * durch alternative Lernwege, * durch kleine erreichbare Zwischenziele, * durch echtes Lob für Anstrengung und Fortschritte, * und durch einen engen Austausch mit der Schule. Denn mehr vom Gleichen hilft selten, wenn schon weniger vom Gleichen nicht funktioniert hat. Kinder mit Legasthenie brauchen nicht weniger Zutrauen. Sie brauchen mehr Gelegenheiten zu erleben: „Das war schwer – aber ich habe es geschafft.“
Ihr habt das Gefühl, professionelle Unterstützung wäre sinnvoll? Schaut auf unserer Lerntherapie-Seite!
Vielleicht habt ihr beim Lesen gemerkt:
Nicht jede Deutsch-Schwierigkeit
hat dieselbe Ursache.
Wo möchtet ihr als Nächstes genauer hinschauen?
Direkt alles zu professioneller Lerntherapie vor Ort oder zur bundesweiten Starthilfe erfahren?



